Rassenbeschreibung Tux-Zillertaler
Woher stammt das Tux-Zillertaler?
Über die Herkunft der Tux-Zillertaler gibt es viele Thesen. Die am ehesten glaubhafte stellt die Tux-Zillertaler als Abspaltung der in der Schweiz im Kanton Wallis beheimateten Eringerrasse dar. Das Eringerrind ist im Gegensatz zum Tux-Zillertaler einfarbig, in Typ und Form sind sich die beiden Rassen jedoch sehr ähnlich. Auch die Eigenschaften wie Kampflust, Widerstandsfähigkeit, Trittsicherheit, Winterhärte und Genügsamkeit lassen auf eine Verwandtschaft der Tux-Zillertaler mit den Eringern schließen.
Tuxer oder Zillertaler
Ursprünglich gab es nur den Tuxerschlag. Er war schwarz gefärbt mit der typischen Weißfärbung im Lenden- und Schwanzbereich. Besonders beliebt war die sogenannte Feder (federartige Weißfärbung in der Kreuzgegend). Die Fixierung dieses Zuchtzieles bereitete den Züchtern große Schwierigkeiten. Der Kopf sollte kurz und breit sein mit weit nach außen gerichteten Hörnern. Der massig und voll entwickelte Körper mit dem feinen Fußwerk und den starken Klauen war die Voraussetzung für die guten Kampfeigenschaften der Tuxer.
Durch die Einkreuzung von rot gefärbten Rindern entstand der Zillertaler Tuxerschlag. Die Zillertaler waren in Typ, Form und Aussehen dem Tuxerschlag sehr ähnlich. Einzig die rote Farbgebung ließ die beiden Schläge unterscheiden. So spricht man heute noch von den "Roatn" und "Schwarzn", wobei die "Roatn" die roten Zillertaler und "Schwarzn" die schwarzen Tuxer bezeichnen.
Niedergang der Tux-Zillertaler
Durch die Selektion auf gute Kampfeigenschaften wurde die Leistung bei den Tux-Zillertaler arg vernachlässigt, womit die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den anderen Rassen nicht mehr gegeben war.
Der Niedergang der Tux-Zillertaler begann bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. Auf der Internationalen Zuchtausstellung in Paris 1856 kamen die hellen Rinderschläge in Mode. Den dunkelfärbigen Rinderrassen wurde eine schwächere Leistungsbereitschaft nachgesagt. Der totale Untergang kam in den Dreißiger- und Vierzigerjahren. Viele Tux-Zillertalerrinder verkaufte man nach Wien in die dortigen Abmelkbetriebe bzw. die Stiere als Schlachtware. Dieser Aderlaß bedeutete für die Tux-Zillertalerrasse eine zahlenmäßig und qualitativ große Schwächung. Das NS-Regime gab einen weiteren Todesstoß, indem es leistungsstärkere Rassen förderte. Nach dem zweiten Weltkrieg setzten der Tux-Zillertalerzucht noch die zu enge Blutauswahl, TBC-Impfaktion und Bangbekämpfung und die zu geringe Leistung stark zu. Mitte der Siebzigerjahre gab es nur mehr 30 Tux-Zillertalerrinder weltweit.
Tux-Zillertaler gerettet
Durch die Gründung der Vereinigung der Tux-Zillertalerzüchter Tirols im Jahr 1986 wurde der Grundstein für die Erhaltung dieses Tiroler Kulturgut geschaffen. In ganz Österreich wurde verbissen nach Tux-Zillertalern gesucht. Fast hätte man diesen Wettlauf mit der Zeit verloren. Im Haus der Natur in Salzburg meinte man schon 1971 die letzte Tux-Zillertalerkuh ausgestopft zu haben. Mittlerweile ist jeder Bauer wieder stolz, darauf eine Tux-Zillertaler Kuh sein Eigen zu nennen. Zahlreiche Schauen zeugen vom großen Interesse der Bevölkerung für die Erhaltung der Tux-Zillertaler Rasse. So ließen sich 6.000 bis 7.000 Zuschauer die Gelegenheit nicht entgehen, bei der Tux-Zillertaler Landesschau 2002 dieses Stück Tiroler Kultur live zu erleben. Heute werden die Tux-Zillertaler besonders wegen ihrer hervorragenden Fleischqualität gehalten. Für die Mutterkuhhaltung ist das Tux-Zillertalerrind bestens geeignet.
Zuchtziel Tux-Zillertaler
Welche Ziele sind bei der Tux-Zillertaler Zucht erstrebenswert bzw. welchen Nutzen soll die Tux-Zillertaler Rasse dem Bauern bringen?
Genetische Vielfalt (Varianz): Bei der Anpaarung muß auf eine möglichst breite genetische Basis geachtet werden. Nach wie vor ist die genetische Vielfalt über Wirtschaftlichkeit zu setzen.
Milch: Die Tux-Zillertaler Kuh sollte 4.500 kg Milch mit 4,0 Fett-% und 3,3 Eiweiß-% aus dem Grundfutter ohne Kraftfuttereinsatz produzieren. Gut aufgehängte Euter sind wünschenswert.
In der Mutterkuhhaltung soll ein Kalb ausreichend mit Muttermilch versorgt werden können. Die Zitzengröße darf nicht zu groß sein, damit das Saugen für die Kälber leicht möglich ist.
Fleisch: Ein breiter Rücken mit einer guten Behosung ist für die Qualitätsfleischproduktion erstrebenswert. Bei der Klassifizierung sollen die Klassen R, U oder E mit einer Fettabdeckung von 2-3 erreicht werden. Wünschenswert sind für weibliche Tiere tgl. Zunahmen von über 850 Gramm und bei männlichen Tieren von mindestens 1.000 Gramm.
Fitness: Eine Tux-Zillertaler Kuh soll jährlich einmal leicht kalben – die erste Abkalbung im Alter von 30 – 36 Monaten stattfinden. Ihre gute Konstitution soll Grundlage für eine unkomplizierte und lange Haltung sein. Der Anteil an Leicht- und Normalgeburten soll mindestens 95 % betragen. Die Geburtsgewichte sollen nicht höher als 45 kg sein.
Exterieur: Eine Tux-Zillertaler Kuh sollte 125 - 135 cm im Widerrist groß sein, eine große Körpertiefe und feinen Knochenbau besitzen. Trockene Fundamente mit korrekten Körperverbindungen und gesunden Klauen erscheinen bei der Rasse als selbstverständlich.
Rassigkeit: Die rassetypischen Eigenschaften sind zu erhalten. Die Tiere sind rot, braun-weichselbraun oder schwarz gefärbt mit weißer Zeichnung am Rücken (Feder). Weitere rassetypische Merkmale sind ein kurzer und breiter Kopf und brauner Ring um Flotzmaul.
Die Definiton des Zuchtzieles wurde bei der Vorstandssitzung am 15. November 2011 in Straß im Zillertal beschlossen.









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