Original Braunvieh

Rassenbeschreibung Original Braunvieh

Das Original Braunvieh ist eine Zweinutzungsrasse. Um die reingezogenen Bestände von den eingekreuzten unterscheiden zu können, werden diese als „Original Braunvieh“ bezeichnet. Das Original Braunvieh ist ein mittelgroßes Rind mit kräftigem Knochenbau. Es ist tiefrumpfig, hat ein breites Becken sowie ein kräftiges Fundament und ist gut bemuskelt.

Die Grundfarbe ist einheitlich braun bzw. dunkelbraun, wobei Stiere in der Regel dunkler sind als Kühe. Hornspitzen, Flotzmaul und die harten Klauen sind dunkel pigmentiert. Die Umsäumung des Flotzmauls und die Innenbehaarung der Ohren sind hell. Als Farbvarianten gab es einst Gurtenkühe mit weißer Mittelhand und „Blüam" (weiße Sprenkel am Rücken). Im Herdebuch wurden und werden aber nur einfarbig braune Tiere anerkannt.

Ausgewachsene Stiere wiegen im Durchschnitt 750 bis 1.000 kg, weibliche Tiere ca. 550 kg und erreichen eine durchschnittliche Widerristhöhe von ca. 136 cm, beziehungsweise ca. 128 cm.

Rinder der Rasse Original Braunvieh sind im Gegensatz zu Brown Swiss-Rindern kleiner und leichter, aber dafür besser für die Haltung in Bergbauernregionen geeignet. Die starken Glieder und Klauen ermöglichen eine Futtersuche in schwierigem Gelände mit spärlichem Graswuchs und begrenzten Wasserstellen.

Braunvieh ist bedingt durch seine dunkle Fellfärbung, die das UV-Licht besser abschirmt, und seinen dunkel gefärbten Augenlider hitzetoleranter und reagiert weniger empfindlich auf Sonneneinstrahlung als andere Rinderrassen.

Eigenschaften

Original Braunvieh ist genügsam, umgänglich, robust und kann sich gut an unterschiedliche klimatische Verhältnisse anpassen. Es besitzt eine hohe Vitalität und bedingt durch seine Langlebigkeit eine lange Nutzungsdauer. Darüber hinaus zeichnet sich Original Braunvieh durch eine gute Futterverwertung bei hohem Grundfutterumsatz, Leichtkalbigkeit, ein ruhiges Temperament, ein gutes Herdeverhalten sowie eine geringe Anfälligkeit für Euterkrankheiten.
Die gegenüber dem Brown-Swiss-Rindern geringere Milchleistung des Original Braunviehs (die Milchleistung der Rasse liegt durchschnittlich bei 5000 kg Milch mit 4,00 % Fett- und 3,30 % Eiweißanteil) wird durch die wesentlich bessere Mastfähigkeit und Fleischqualität ausgeglichen.

Die Rasse zeichnet sich durch gute Muttereigenschaften aus und ist daher besonders für die Mutterkuhhaltung geeignet.

Braunviehstiere werden häufig in Bos-Indicus-Rassen (Indobrasil, Nelore, Brahman, Zebu) sowie viele anerkannte Fleischrassen wie Charolais, Blonde d’Aquitaine oder diverse Lokalrassen eingekreuzt. Die Rasse ist vor allem wegen ihrer Hitzetoleranz, ihrer harten Klauen und ihrer hohen Stoffwechselelastizität in heißen Klimagebieten sehr gefragt.

Männliche Kälber der Rasse Original Braunvieh werden zur Kalbfleischproduktion eingesetzt.

Geschichte

Im heutigen Braunviehzuchtgebiet dieses Landes war in den achtziger Jahren im Lechtal und Außerfern der Lechtaler Typus und in einem großen übrigen Gebiet der Oberinntaler Schlag anzutreffen. Hier fand im Paznaun-  und Stanzertal eine starke Vermischung mit Rindern des Montafoner Schlages statt. 

Der 1882 gegründete „Landes- Culturrath von Tirol“ brachte einen Aufschwung in die landwirtschaftliche Organisation. Bezirksgenossenschaften führten Stierprämierungen und Ausstellungen von weiblichen Tieren ein. Das erste Zuchtstiergesetz aus dem Jahre 1876 wurde 1896 erneuert und gebot die sofortige Abschaffung nicht lizensierter  Stiere. 

Bedeutsam war die Abfassung von Musterstatuten für Zuchtgenossenschaften, die 1894 von der Landesanstalt in Rotholz vorgelegt wurden. Die danach gegründeten Genossenschaften Mieming und Strengen waren die ersten Tiroler Viehzuchtvereine im heutigen Sinn. Im Jahre 1907 wurden der „Verband der Viehzuchtgenossenschaften im Oberinntal mit Sitz in Imst“ und der „Verband der Lechtaler Viehzuchtgenossenschaften“ gegründet.

Während sich im Nachbarland Vorarlberg das Braunvieh gegenüber den Grauviehschlägen längst durchgesetzt hatte, entbrannte in Tirol ein heftiger Kampf zwischen den Verfechtern des heimischen Oberinntaler Grauviehs und den Anhängern von Schweizer und Montafoner Vieh. Die vorgenannten beiden Verbände, die eng zusammenarbeiteten, entschieden sich schließlich für die Zucht des „Tiroler graubraunen Gebirgsviehs“. 

Aus Vorarlberg wurden hauptsächlich weibliche Tiere, aus der Schweiz Stiere eingeführt und mit dem Landschlag aufgekreuzt. Graubraunes Vieh hatte gute Preise und drang rasch im westlichen Tirol vor. 

Die Überführung in Braunvieh war zuerst im Stanzer-, Paznaun und Lechtal abgeschlossen; die Umschichtung im mittleren Oberinntal ging langsamer vor sich und dauerte bis nach dem ersten Weltkrieg an. 

Im Unterinntal, wo Grauvieh nie vorhanden war, wurde Braunvieh zugeführt. Von 1906 bis 1914 schienen bei den Herdebuchaufnahmen 38 Stiere aus Vorarlberg und 42 aus der Schweiz auf, in den dreißiger Jahren überwogen die Einfuhren aus der Schweiz. 

Seit dem zweiten Weltkrieg entstammen fast alle Stiere der Eigenzucht und es werden nur mehr wenige Tiere zur Blutauffrischung zugeführt. 

Die Hauptstierzuchtgebiete des Stanzertales und Paznauns wurden von Schweizer Vieh freigehalten, um Zuchtstiere bodenständiger Prägung im übrigen Land einsetzen zu können, auch wurde bei Importen aus der Schweiz darauf geachtet, Vieh aus benachbarten Hochgebirgskantonen mit harter Aufzucht zu beziehen. 

Im Jahre 1939 wurden die beiden Verbände im Oberinn- und Lechtal unter dem Namen „Tiroler Braunviehzuchtverband“ zusammengeschlossen.

Leistungsbericht

Zuchtprogramm

Leistungsprüfung
Alle Zuchtbetriebe sind entweder der Milchleistungsprüfung oder der Fleischleistungsprüfung angeschlossen. Die Prüfungen werden von den Leistungskontrollstellen der Länder durchgeführt. Seit dem Beginn des Generhaltungsprogrammes im Jahr 1986 konnten die wenigen Restbestände an Original Braunvieh in Österreich erfasst und vermehrt werden.
2000 wurde das Anpaarungsprogramm (RDV-MATE) eingeführt, dessen Einsatz eine zu enge Blutführung verhindert. Es werden alle Abstammungsdaten der weiblichen und männlichen Zuchtrinder erfasst und der optimale Anpaarungspartner für die Besamung oder den Natursprung ermittelt. Die Einhaltung der Vorschläge wird kontrolliert. Laut ÖPUL 2007 wird das Original Braunvieh als „hochgefährdet“  eingestuft und als „Seltene Nutztierrasse“ gefördert.
Zuchtverbände der einzelnen Bundesländer haben es sich zum Ziel gemacht die Rasse Original Braunvieh österreichweit zu vermehren. Durch den Einsatz des Anpaarungsprogramms und die Förderung als hochgefährdete Tierrasse im Rahmen des ÖPUL-Programms soll das Original Braunvieh erhalten bleiben. Darüber hinaus werden (in Bezug auf Linienvielfalt, Typ und Zuchtziel) geeignete Stiere in Wels oder in Birkenberg abgesamt und ein Samenlager angelegt. Auf die Linienvielfalt wird besonderer Wert gelegt.

Anpaarungsprogramm
Der Einsatz des Anpaarungsprogrammes „RDV-MATE“ verhindert eine zu enge Blutlinienführung. Alle Abstammungsdaten der weiblichen und männlichen Zuchtrinder werden erfaßt und der optimale Anpaarungspartner für die Besamung oder den Natursprung ermittelt. Jeder Züchter erhält für seine paarungsfähigen Tiere Anpaarungsvorschläge. Die Einhaltung der Vorschläge wird kontrolliert und ist Voraussetzung für die Prämienzahlung.

Selektion
Der Bestand an Original Tieren ist sehr gering. Daher ist es notwendig, alle Nachkommen aus den Anpaarungen in das Herdebuch aufzunehmen. Neuaufnahmen, bei denen die Abstammung nicht mehr nachvollzogen werden kann, werden nur nach einer positiven phänotypischen Beurteilung aufgenommen. Von allen männlichen Zuchttieren wird eine DNA-Karte angelegt.

Fremdgenanteil
Da der Bestand sehr gering ist, wird bis einschließlich 2009 ein Fremdgenanteil von 25% akzeptiert. Ab Antragstellung 2010 wird der Fremdgenanteil auf 12,5%, ab dem Jahr 2014 auf 6,25% reduziert. Männliche Zuchttiere müssen ausnahmslos 100% reinrassig sein.

HB Eintragung
Für alle Zuchttiere, die nicht Nachkommen bereits im Herdebuch eingetragener Zuchttiere sind, hat allein die Verantwortliche Organisation das Recht, die Rassenzugehörigkeit „OBV“ im RDV einzutragen. Zuchttiere aus Import, die nicht den Kriterien entsprechen, werden in das normale Braunvieh Herdebuch eingetragen und sind nicht prämienfähig.

Samenlager

Geeignete Stiere werden in Wels oder in Birkenberg abgesamt und ein Samenlager angelegt. Auf die Linienvielfalt wird besonderer Wert gelegt.

Ziel
An der österreichweiten Vermehrung des Original Braunviehs wird in Zusammenarbeit mit den Zuchtverbänden gearbeitet. Durch den Einsatz von „RDV-MATE“ und die Förderung als hochgefährdete Tierrasse im Rahmen des ÖPUL-Programms soll das Original Braunvieh in seiner Einzigartigkeit erhalten werden.
Wirtschaftlichkeit/Vermarktung
Das OBV wird als angefleischte, kleinrahmige Doppelnutzungskuh gezüchtet, die eine hohe Nutzungsdauer mit 5000 bis 5500 kg Milch je Laktation erreicht.
Ihr Charakter soll umgänglich und ruhig sein und einen entsprechenden Mutterkuhinstinkt aufweisen. Die Fleischleistung der Kälber soll für die Milchmast entsprechend hoch sein. Das OBV ist eine fleischbetonte Zweinutzungsrasse und ideal für sog. Low-Input-Systeme geeignet.

Zuchtausschuss
   - Obmann Stefan Bacher, Vals/Padaun
   - Obmann-Stv. Johann Heim, Weer
   - Kassier Christoph Perle, Häselgehr
   - Kassier-Stv. Herbert Reinalter, Oberperfuss
   - Schriftführer Paul Egger, Rietz
   - Schriftführer-Stv. Harald Kleiner, Tannheim

Anpaarungsvorschläge

Die Erhaltung der Original Braunviehzucht hängt wesentlich von der Anpaarung ab. Vor allem die Vermeidung der Inzucht ist dabei ein wichtiger Bestandteil.
In folgender Datei wurden die Anpaarungsvorschläge für ein weibliches Tier mit dem geringsten Inzuchtgrad veröffentlicht. Es werden die verfügbaren Besamungsstiere mit dem geringsten Inzuchtgrad angegeben, deren Samen über die Samendepotstelle Rotholz bezogen werden kann.

Anpaarung Original Braunvieh

Wir möchten darauf hinweisen, dass diese Daten sich nicht dazu eignen, die Herdebuchfähigkeit und Prämienfähigkeit eines Tieres zu bestimmen.

Die Anpaarung soll immer mit dem Stier mit der niedrigsten Verwandtschaft gemacht werden. Nur so kann Inzucht verhindert werden.

Legende:
Lebensnummer und Name des Tieres = Zu paarende weibliche Rinder (Lebensnummer und Name) sortiert nach steigender Lebensnummer (Reihenfolge AT- und CH-Nummern)
Betrieb und Ort = Besitzer zum Stichtag im September 2017
Stiernummer und Belegstier = vorgeschlagener Belegstier
Inzucht = Verwandtschaft des zu paarenden Tieres mit dem Belegstier.

Folgende Besamungsstiere sind verfügbar:
Stiername          Lebensnummer       Vater                Muttersvater
ASTERIX *OB    DE 09 43677323     Amlex *OB        Medino *OB
DARIUS *OB      AT 367.868.219      Dinar *OB         Adel*OB
IWOT *OB         AT 295.043.818      Isidor *OB        Wotan*OB
SINGER *OB      AT 217.825.118      Singau *OB       Koral*OB
WILLI *OB         AT 077.152.128      Wotan *OB       Vulkan *OB
ZUCHERO *OB   AT 679.483.718      Zucki *OB         Wenzel*OB


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Email: rinderzucht@lk-tirol.at