Grauvieh

Rassenbeschreibung Tiroler Grauvieh

Das Tiroler Grauvieh ist ein mittelrahmiges Zweinutzungsrind. Die Tiere sind einfärbig silber- bis eisengrau, der Kopf, Hals und Rumpf ist angeraucht. Das dunkle Flotzmaul ist hell gesäumt, die Klauen sind schwarz. Die Stiere sind dunkler gefärbt als die Kühe und der Rücken wird von einem hellen Aalstrich geziert.

Es handelt sich um eine alte, autochthone österreichische Rinderrasse. Zur Zeit der Völkerwanderung durchmischte sich das heimische bodenständige ligurisch-keltische Rind mit dem Vieh der sich ansiedelnden Alemannen. Aus dieser Kreuzung entwickelten sich im Laufe vieler Jahrhunderte verschiedenste Landschläge. Ende des 19. Jahrhunderts trennten sich die Schläge in die Rassen Braunvieh und Grauvieh auf.

Das Tiroler Grauvieh ist eine Zweinutzungsrasse. Die Milchleistung liegt bei rund  4.997 kg mit 3,91% Fett und 3,33 % Eiweiß. Die ausgewachsenen Kühe erbringen Durchschnittsleistungen von mehr als 5.100 kg Milch, Laktationsleistungen von mehr als 6.000 kg sind möglich werden aber nur vereinzelt angestrebt.

Das Herdebuch wird zweigeteilt geführt. Einerseits für die Zuchtrichtung Doppelnutzung (Milch & Fleisch) und andererseits für die Zuchtrichtung Fleisch. Damit soll dem zunehmenden Einsatz dieser Rasse in der Mutterkuhhaltung Rechnung getragen werden. Die männlichen Tiere erreichen in Reinzucht eine Nettotageszunahme von etwa 1.300 g. Das Tiroler Grauvieh zeichnet sich durch hohe Schlachtausbeuten von bis zu 60 % besonders aus. Aufgrund des Milchreichtums, der Fruchtbarkeit und der guten Futterverwertung eignet sich die Rasse im Rahmen der Mutterkuhhaltung sowohl zur Rein- als auch zur Kreuzungszucht. Das Fleisch von reinrassigen Ochsen wird über eine eigene Vermarktungsschiene in Tirol vertrieben.

Rund 76 % der grauviehhaltenden Betriebe liegen auf einer Seehöhe von über 1.000 m. Fast das gesamte Jungvieh wird im Sommer gealpt. Ebenso rund 40 % der Kühe. Durch die Genügsamkeit, die ausgeprägte Geländetauglichkeit und Weidetüchtigkeit ist das Tiroler Grauvieh auch auf extensiven Flächen produktiv. Die Rasse ist anpassungsfähig hinsichtlich Freilandhaltung und Hitze.

In einem mehrjährigen Praxisversuch wurde und wird in der Landwirtschaftlichen Landeslehranstalt des Landes Tirol in Imst die ganzjährige Freilandhaltung erprobt. Dabei wurden alle Daten exakt erhoben. Ohne den endgültigen Ergebnissen vorgreifen zu wollen, kann man jetzt schon sagen, dass sich das Tiroler Grauvieh für die ganzjährige Freilandhaltung eignet und viele Vorteile in der Mutterkuhhaltung mitbringt:

  • Robustrasse für Freilandhaltung mit hohen Tageszunahmen
  • Mehrerlös durch funktionierende Markenfleischprogramme
  • Gute Verfügbarkeit von trächtigen Tieren
  • Problemlos in Umgang und Charakter

Auf Grund seiner Größe, seines Gewichts und der guten Futterverwertung eignet sich das Tiroler Grauvieh ausgezeichnet zur schonenden Bewirtschaftung der Wiesen und Weiden. Das Erstkalbealter liegt bei 33 Monaten.

Geburtsgewicht 34 - 45 kg
                                  Stier               Kuh
Widerristhöhe [cm]  140 – 150         129 – 139
Gewicht [kg]         900 – 1.050         550 – 650

Leistungsbericht

Zuchtprogramm

Das Zuchtprogramm sieht die Kombination der Vereinsstierhaltung mit der künstlichen Besamung vor. Der Anteil der künstlichen Besamung liegt bei 72,4% wobei der größte Anteil auf positiv geprüfte Stiere entfällt. Um den Generationswechsel zu verkürzen, erhalten die Vereine für Stiere, die nach der zweiten Sprungperiode ausgetauscht werden und eine positiven Gesamtzuchtwert aufweisen, eine Erfolgsprämie.

Stierstation Birkenberg
Einzigartiges Zuchtprogramm verlangt besondere Maßnahmen
In den letzten Jahren gab es bei den kosmopolitischen Rassen eine züchterische Revolution. Der Zuchtwert der Tiere kann aus organischem Material wie Haaren, Gewebeproben oder Sperma bestimmt werden.

Auch der Tiroler Grauviehzuchtverband hat viel Geld investiert, um ein eigenes Forschungsprojekt für die Rassen Pinzgauer und Grauvieh in Auftrag gegeben. Im Zuge des Projektes wurde festgestellt, dass dies für diese Rassen derzeit nicht mögliche ist. Dies beweist wieder einmal, dass lokale Rassen ihre speziellen Wege in der Zucht gehen müssen.
Eine besondere Herausforderung für das Tiroler Grauvieh ist zum einen ein anerkanntes Generhaltungszuchtprogramm umzusetzen und zum anderen sind gewisse Leistungseigenschaften zu verbessern. Grundlage dazu ist ein funktionierendes Besamungsprogramm.

Alle Jungstiere werden jährlich abgesamt und pro Stier werden rund 2.000 Portionen gewonnen.
Bei den Tieren handelt es sich um Natursprungstiere, die nach der 1. Sprungperiode von den Viehzuchtvereinen, Stierhaltegemeinschaften oder Privatpersonen zur Verfügung gestellt werden.

Das Ergebnis aus Gesprächen mit den Stierbesitzern war, dass diese, sollte die Absamung außerhalb Tirols stattfinden, die Stiere erst nach Ausscheiden aus dem Deckeinsatz zur Absamung zur Verfügung stellen würden. Dies wäre für die Grauviehzucht ein herber Verlust gewesen, da zu diesem Zeitpunkt viele genetisch interessante Stiere verloren gegangen wären.

Für 80% der Stiere gilt folgendes Ablaufschema:

  • Auswahl zur Zucht („Körung“) im Herbst
  • Deckeinsatz von Herbst bis Frühjahr
  • Stierstation – Absamung im Sommer
  • Zweiter Deckeinsatz wiederrum vom Herbst bis Frühjahr

Die Stiere werden zuerst in Quarantäne gestellt und anschließend abgesamt. Die Samenaufbereitung d.h. die Verdünnung, Abfüllung, Gefrierung und Auftaukontrolle wurde in die nächstliegende Besamungsstation CRV Deutschland in Wasserburg ausgelagert.


Rinderzucht Tirol . Brixner Straße 1 . 6020 Innsbruck . Tel: 059292 - 1832 . fax: 059292 - 1839
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