Genotypisierung

Genotypisierung in der Rinderzucht erfreut sich zunehmender Beliebtheit

ZAR: Typisierungspreise sinken um mehr als ein Drittel!
Fast zehn Jahre ist es her, seit in Österreich erste genomische Zuchtwerte bei Holstein (2010) sowie bei Fleckvieh und Braunvieh (2011) veröffentlicht wurden. Diese haben die Rinderzucht maßgeblich verändert. Die Rinderzucht Austria nahm dieses Jubiläum zum Anlass, sich intensiv beim traditionell jährlichen ZAR-Seminar in Salzburg mit diesem Thema zu befassen. Die Basis für die Genomische Selektion ist die Entnahme von Ohrgewebe am Tier. Es folgt dessen DNA-Extraktion im AIT (Austrian Institute of Technology) in Tulln und schließlich die Genotypisierung durch die GeneControl in München. Im Rahmen der gemeinsamen Zuchtwertschätzung Österreich-Deutschland-Tschechien mit der Beteiligung der ZAR-Tochter ZuchtData GmbH in Wien werden die Daten ausgewertet und für die Genomische Zuchtwertschätzung verwendet. Genomweite SNP-Genotypendaten (Single Nucleotide Polymorphism) erlauben die Schätzung von Zuchtwerten mit Sicherheiten zwischen 40 und 70% bereits beim Jungtier. Dadurch hat sich das Generationsintervall deutlich reduziert und der Zuchtfortschritt gesteigert.
Allein in den vergangenen 12. Monaten wurde der Genotypenbestand um 50% gesteigert. Der Hintergrund dieser Entwicklung sind die beiden Herdentypisierungsprojekte FoKUHs und Braunvieh Vision, aber auch die deutliche Zunahme in der Anzahl weiblicher Routinegenotypisierungen. Aufgrund dieser Entwicklungen und der damit gestärkten Verhandlungsposition gegenüber Chipherstellern konnte eine deutliche Preisreduktion von fast 35% erreicht werden. „Der Paketpreis für die genomische Untersuchung je typisiertem Rind reduziert sich somit von derzeit € 59,80 auf € 39,00 brutto. Eine derartige Preissenkung haben wir frühestens in einem Jahr erwartet, diese ist aber jetzt schon eingetreten“, zeigt sich ZAR-Geschäftsführer DI Martin Stegfellner erfreut. Der reduzierte Preis gilt ab sofort für alle eingesandten Proben ab dem 10 Juli 2019!
Durch diese Entwicklungen wird die Nutzung von Genominformation für die Zuchtarbeit am Betrieb noch interessanter. Für die Selektion der Nachzucht stehen den Züchterinnen und Züchtern unmittelbar nach der Typisierung genomische Zuchtwerte als zusätzliche Entscheidungsgrundlage für die Remontierung zur Verfügung. Daraus resultiert auch eine genaue Untersuchung der Abstammung der Tiere sowie ein gezieltes Erbfehlermonitoring, bei dem Träger von genetischen Defekten sofort erkannt und auf Basis dieser Information weitergezüchtet werden können.
Herdentypisierungsprojekte werden durch die deutliche Preisreduktion leichter finanzierbar und somit kann beim laufenden Projekt FoKUHs eine Ausweitung des Typisierungsumfangs erreicht werden. „Große Erwartungen der Genotypisierung von weiblichen Tieren werden auf jene Merkmale gelegt, die erst seit kurzer Zeit erhoben werden, so wie direkte Gesundheitsmerkmale auf der Basis von tierärztlichen Diagnosen und/oder Beobachtungen durch den Tierhalter über das Projekt Gesundheitsmonitoring Rind. Dieses wurde bereits im Jahr 2006 gestartet. Durch den relativ langsamen Zuwachs an erhobenen Daten und den niedrigen Erblichkeiten von Gesundheitsmerkmalen wird es noch Jahre für eine etablierte Zuchtwertschätzung für Gesundheitsmerkmale benötigen. Über die systematische Genotypisierung von weiblichen Tieren kann dieses Ziel binnen weniger Jahre erreicht werden. Der internationale Trend geht jedenfalls ganz klar in diese Richtung“, so der wissenschaftliche Leiter des Projektes FoKUHs, Dr. Hermann Schwarzenbacher (ZuchtData).
Die Rinderzucht Austria ist als freiwillige Interessenvertretung der über 22000 österreichischen Rinderzüchterinnen- und züchter verstärkt in Forschungsprojekten aktiv. Dies trägt wesentlich dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit der bäuerlichen Familienbetriebe in Österreich zu sichern und eine produktionsorientierte Rinderbranche für die Zukunft zu erhalten.


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