Grauvieh-Webinar mit 115 Teilnehmern

Grauvieh-Webinar mit 115 Teilnehmern

In seinem Bericht stellte Zuchtleiter Raphael Kuen die wichtigsten Informationen für die Grauviehzüchter vor. PPP laden!

Zu dem erstmalig veranstalteten Grauvieh-Webinar konnten Obmann Hans Pittl und Zuchtleiter Raphael Kuen 115 Teilnehmer aus sieben Bundesländern und aus Deutschland und Dänemark begrüßen.

In seinem Bericht stellte Zuchtleiter Raphael Kuen die wichtigsten Informationen für die Grauviehzüchter vor. Die Vermarktung lief in den vergangenen Monaten trotz der schwierigen Umstände in geregelten Bahnen. Die Qualitätsfleischprogramme bewiesen dabei ihre Krisensicherheit sowohl in Vermarktungsmengen wie auch im Preis. Für 2021 rechnet man beim Grauviehochs mit fast 400 vermarkteten Tieren. Die Versteigerungen konnten trotz schwieriger Rahmenbedingungen mit guter Preisbildung ohne Unterbrechung abgehalten werden. Generell zur Vermarktung präsentierte Kuen als Marktleiter des AZW Imst noch einige Zahlen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 7.813 Tiere über das AZW Imst vermarktet, davon gingen fast 1.000 über die Versteigerungen und 759 wurden Abhof vermarktet. Der größte Teil der rund 6,8 Millionen € Wertschöpfung in der gesamten Vermarktung in Imst entfällt auf die Schlacht- und Nutzviehvermarktung.
Seit einigen Wochen gibt es auch das Online-Vermarktungsservice „kuh4you“ für die Vermarktung von Zuchtrindern auf www.almmarkt.com, welches auch für Grauviehzüchter offensteht. Mit diesem neuen Service wurde die Digitalisierungsoffensive der Rinderzucht Tirol gestartet, welche in weiterer Folge ein besseres Dienstleistungs- und Kundenservice mit Applösungen und neuer Homepage bringen soll.

Im Grauviehzuchtprogramm wurden weiter folgende Beschlüsse gefasst, welche ab 1. Oktober 2021 Gültigkeit haben.
- So sieht das Zuchtprogramm künftig vor, dass nur Stiere aus gezielter Paarung zur Körung zugelassen werden. Damit soll langfristig die Linienvielfalt gewährleistet und die Inzucht hintangehalten werden.
- Bei den Stiermutterbestimmungen wurde eine Vereinfachung beschlossen mit der Mindestbewertung von 6-6-6-6. Für die IIa-Stierzucht ist ein GZW vom mindestens 105 vorgeschrieben.
- Weiter wurde beschlossen, dass Georg File aus Fließ Bruno Hann sowohl als Preisrichter und in der Stier- und Stiermutterkommission nachfolgt.

Im Herbst finden die Vorstands- und Delegiertenwahlen für den Tiroler Grauviehzuchtverband als Basis der Rinderzucht Tirol eGen noch im alten Wahlrythmus statt. Diese Wahl hat nur eine verkürzte Gültigkeit, um im Herbst 2022 mit der neuerlichen Wahl einen gleichgeschalteten Wahlrythmus für alle betreuten Viehzuchtvereine unter dem Dach der Rinderzucht Tirol zu erhalten. Darauf aufbauend werden dann die Rassenausschüsse und 2023 der Aufsichtsrat gewählt, der in weiterer Folge den Vorstand bestellt.

Neue Zuchtwertschätzung ab August

Höhepunkt des Grauvieh-Webinars war der Vortrag von Dr. Christian Fürst zur neuen Zuchtwertschätzung für Grauvieh. Zugeschaltet aus Graz ging er in seinem Eingangsstatement auf die Gründe für diese Umstellung ein. Dieses neue Zuchtwertschätzmodell wird nicht nur bei Grauvieh eingesetzt, sondern auch bei den anderen Rassen mit kleiner Tierzahl wie Pinzgauer, Gelbvieh und Vorderwälder. Damit sollte die Weiterentwicklung der Zuchtwertschätzung mit Berücksichtigung von neuen Merkmalen, höheren Sicherheiten und verbesserter Aussagekraft für diese Rassen im Vergleich zu den anderen Rassen ermöglicht werden. Mit der Aufnahme der neuen Merkmalskomplexe für Gesundheit und Aufzuchtverluste und Neugewichtung des Gesamtzuchtwertes (GZW) sollte dies umgesetzt werden. Zudem wird das alte bisherige Schätzmodell für Nutzungsdauer abgelöst durch das allgemein üblich eingesetzte BLUP-Tiermodell. Insgesamt wird der züchterische Weg für die Nutzungsdauer einer Kuh in neun Abschnitte unterteilt, wobei mit der 7. Abkalbung alle Abschnitte abgeschlossen sind.

Im Gesundheitskomplex werden zusätzlich die frühen Fruchtbarkeitsstörungen (FFR), Mastitis (MAS) und Zysten (ZYS) berücksichtigt. Daraus werden erstmals für die Rasse Gesundheitszuchtwerte errechnet, welche im Fruchtbarkeitswert (FRUmat wird zukünftig mit FRW abgekürzt) und im neuen Eutergesundheitswert (EGW) abgebildet werden. Dabei wird der Zuchtwert FFR mit 20 % und der Zuchtwert ZYS mit 10 % innerhalb des FRW gewichtet. MAS wird Teil des EGW, der sich aus 70% Zellzahl und 30% MAS errechnet.
Beim Zuchtwert Aufzuchtverluste findet das Merkmal „verendet in Aufzuchtphase ja/nein“ inklusive der Totgeburtenrate Berücksichtigung. Dabei wird die Aufzucht in drei Abschnitte unterteilt. Gemeinsam mit der Totgeburtenrate wird daraus der Vitalitätswert (VIW) berechnet.
Wesentlicher Unterschied zur bisherigen Zuchtwertschätzung ist auch die Umstellung von der Stierbasis (9 bis 14 Jahre alte Stiere) auf die Kuhbasis mit den 8 bis 10-jährigen Kühen für mehr Stabilität in der Schätzung.

Im Zuge dieser Neuaufstellung der Zuchtwertschätzung beim Grauvieh wurde auch eine Anpassung in der Gewichtung beim Gesamtzuchtwert beschlossen. Im August werden die Zuchtwerte dann erstmalig mit der neuen Gewichtung 20:25:55 (Milch:Fleisch:Fitness) gerechnet. Dabei werden vom Fitnesskomplex 5 % auf den Merkmalskomplex Fleisch verschoben. Damit will man ein Zeichen zur Stärkung der Doppelnutzung setzen, so Fürst abschließend. Zusammen mit den neuen Merkmalen im Fitnessbereich und den neuen Beschlüssen sollte damit die Basis geschaffen werden, die Rasse leistungsfähig zukünftig in der nötigen Linienvielfalt weiter zu entwickeln. PPP laden!

 

 


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