LKVs und Milchuntersuchungslabore forcieren Digitalisierung und Automatisierung in der Milchleistungsprüfung

LKVs und Milchuntersuchungslabore forcieren Digitalisierung und Automatisierung in der Milchleistungsprüfung

Die Datenerfassung im Zuge der Milch- und Fleischleistungsprüfung erfolgte in den letzten zehn Jahren zumeist mit sogenannten Hand-held-Geräten, wie sie von Paketzustellern bekannt sind oder mittels Papier und Stift mit anschließender Eingabe in die RDV-Datenbank. Da die Digitalisierung und Automatisierung auch vor den Landeskontrollverbänden (LKVs) und Milchuntersuchungslaboren nicht Halt macht, kommt es nun nach zweijähriger Entwicklungszeit zur Umstellung auf eine neue Generation der mobilen Datenerfassung der LKVs sowie zur Probeflaschen-Einzelidentifizierung.

Datenerfassung im Stall per Smartphone-App

Über die ZuchtData EDV-Dienstleistungen GmbH, der 100%-Tochter der Zentralen Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Rinderzüchter, wurde federführend in Zusammenarbeit mit den RDV-Partnern in Deutschland und den LKVs eine Smartphone-App auf Android-Basis entwickelt, welche die Datenerfassung bei der Milch- und Fleischleistungsprüfung direkt im Stall ermöglicht. Als Hardware werden robuste industrielle Outdoor-Smartphones sowie handelsübliche Outdoor-Smartphones verwendet. Sämtliche Einzeltierdaten wie Milchmenge, Beobachtungen, Besamungen und Diagnosen können vom LKV Personal damit erfasst werden. Mittels Plausi-Check vor dem Abschluss der Dateneingaben werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf fehlende oder nicht plausible Daten hingewiesen. Fehlern kann damit bestens vorgebeugt werden.

Elektronische Übermittlung der Berichte

Die ersten Ergebnisse der Milch- und Fleischleistungsprüfung (Milchmenge pro Tier, Gewichtsliste) können in Zukunft zusätzlich zur bekannten schriftlichen Liste direkt vom Smartphone per E-Mail oder WhatsApp an die Bäuerinnen und Bauern übermittelt werden. Somit wird auch in diesem Bereich auf Ausdrucke verzichtet und das Mitglied hat die Infos sofort am Smartphone verfügbar. Darüber hinaus sind die erfassten Daten unmittelbar im RDV abrufbar, sobald das Kontrollorgan nach erfolgreichem Plausi-Check die Daten übermittelt hat.

Probeflaschenzuordnung zum Einzeltier

Die bei der Milchleistungsprüfung gezogenen Milchproben wurden bisher nach dem Koordinatensystem in die Milchkisten eingeordnet. Im Zuge der Entwicklung der Handy-App wurde nun die Möglichkeit der Einzelflaschenidentifikation geschaffen. So besteht mittels der neuen Smartphone-App die Möglichkeit, jede Probenflasche im Zuge der Erfassung der Milchmenge direkt der jeweiligen Kuh zuzuordnen. Technisch wird das Einlesen der Probeflaschen per QR-Code sowie das Lesen und/oder Beschreiben von RFID-Chips (radio-frequency identification) in jeder Flasche umgesetzt. Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, einzelne Informationen auf die jeweilige Probeflasche wie z.B.: Durchführung einer IDEXX-Trächtigkeitsuntersuchung zu schreiben. Durch diese zusätzliche Funktionalität ist eine Automatisierung der Probenuntersuchung in den Laboren erst möglich. Die dafür benötigten Milchprobeflaschen mit QR-Code und RFID-Chip im Flaschenboden werden derzeit vom Qualitätslabor Österreich für die Bundesländer Oberösterreich, Steiermark, Salzburg und Teile Kärntens angeschafft und in die Praxis eingeführt.

Zeitplan für die Umsetzung

Derzeit wird das von der Umstellung betroffene LKV Personal fortlaufend mit den neuen Datenerfassungsgeräten ausgestattet. Parallel dazu finden Onlineschulungen mit intensiven Erfahrungsaustausch statt, um trotz der gegenwärtigen COVID-Situation eine bestmögliche Einschulung zu garantieren. Die Einzelflaschenzuordnung zu den Kühen wird derzeit von ausgewähltem LKV-Personal getestet. Diese soll nach einer Übergangsphase im Sommer und Herbst mit Ende 2021 in den Bundesländern Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und in einem Teil Kärntens umgesetzt werden.

Der Umstieg sollte nicht nur die Dateneingabe für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erleichtern, auch die Flaschenidentifizierung der Milchproben sollte vereinfacht und in weiterer Folge die Fehleranfälligkeit vermindert werden. In Summe ist dies ein weiterer Schritt, die Qualität der Milch- und Fleischleistungsprüfung zu steigern und für unsere Mitglieder ein Zeichen der Weiterentwicklung zu setzen.


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