Online Winterversammlungen mit über 700 Zuhörern

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Vorstandsvorsitzender Christian Straif begrüßte alle Zuhörer recht herzlich. Ein schwieriges Jahr mit verrückten Rahmenbedingungen aufgrund der Pandemie musste bewältigt werden. Teilweise fielen Märkte (Gastronomie und Tourismus) total aus anderseits gab es eine große Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel. Fast gänzlich ausgefallen ist 2020 die gesamte Ausstellungssaison. Als letzte Veranstaltung konnte Anfang März noch die 1. Tiroler Jungkuh-Explosion abgehalten werden. Auch für 2021 wird die Abhaltung von Frühjahrsausstellung eher unwahrscheinlich sein. So wurde die für heuer geplante Verbandsrinderschau schon auf 2022 verschoben.

Vorstand Raphael Kuen präsentierte Zahlen über die Zuchtviehvermarktung 2020. Aufgrund der Pandemie konnten im April keine Versteigerungen abgehalten werden. Mit großen Anstrengungen wurden diese im Mai unter den strengen Covidauflagen wieder gestartet. So konnte die Zuchtviehvermarktung im restlichen Jahresablauf mit guten Marktverläufen und –preisen bewältigt werden. Durchwegs gab es in allen Verkaufskategorien Preiszuwächse.
Über 1.800 Tiere wurden weniger versteigert. Die Abhof-Vermarktung ist beinahe gleich geblieben. Insgesamt wurden 6.046 Zuchttiere über die Rinderzucht Tirol vermarktet. Vermarktet werden die Tiere hauptsächlich nach Italien. Der heimische Bauernkäuferanteil liegt in Imst bei 27 % und in Rotholz bei 16 %. Zur PPP Zuchtviehvermarktung von Kuen

Den größten wirtschaftlichen Bereich in der Rinderzucht Tirol eGen stellt die Schlacht- und Nutztiervermarktung dar. Über 18.000 Rinder wurden im vergangenen Jahr unter sehr schwierigen Umständen ohne Unterbrechung vermarktet. Über die Hälfte des Rindfleisches wird in Österreich außer Haus verzehrt. Deshalb gab es auch auf den Märkten große Preisverwerfungen unterschiedlich nach Kategorien. Selbsterklärend mussten dabei die größten Preiseinbrüche bei Außer-Haus verzehrten Produkten verzeichnet werden. Die Qualitätsfleischprogramme überstanden die Krise relativ unbeschadet. Insgesamt beträgt der Anteil in Tirol geschlachteter Tiere zwei Drittel. Um den weiteren Weg der Verhinderung von Exporten zu verringern, wurde auf Initiative von Landeshauptmann-Stv. Josef Geisler vom Land Tirol eine Prämie für heimische Vollmilchmastkälber ins Leben gerufen, um Tiertransporte zu verhindern und den heimischen Markt stärken. Gestartet wurde im Herbst 2020 dazu auch die Online-Plattform ehrlich.tirol, wo Konsumenten Online Fleischmischpakete von Kalb, Lamm und Rind erwerben können. In seinem Ausblick gab Vorstand Michael Wurzrainer als Ziel den weiteren Ausbau in der Qualitätsfleischprogramm verbunden mit der Absicherung des heimischen Kalbfleischmarktes an. Für den Ausbau der Lämmervermarktung werden zudem Produzenten gesucht, um dieses vor einem Jahr gestartete Qualitätsfleischprogramm weiter auszubauen. Zur PPP Schlacht-Nutzviehvermarktung von Wurzrainer

Die Leistungskontrolle und Qualitätssicherung ist die wichtige Basis in der züchterischen Arbeit und im Herdenmanagement. LKV-Geschäftsführer Reinhard Winkler gab dazu einen Überblick über diesen wichtigen Bereich. Großes Augenmerk wurde 2020 in die Modernisierung der Prüf- und Inspektionsstelle Labor Rotholz gelegt. Dazu gab es auch im Dezember ein erfolgreich abgeschlossenes Audit. Angeschafft wurde ein neues Bactoscan-Gerät für die Keimzahluntersuchung und ein neuer Roboter für die Serviceeinrichtung der Trächtigkeitsuntersuchung. 2021 ist geplant, dass in Zusammenarbeit mit dem Tiroler Tiergesundheitsdienst die bakteriologische Milchuntersuchung in Rotholz durchgeführt wird. Dadurch sollte der Zeitraum bis zur Ergebnisübermittlung an den Züchter verkürzt werden. Der Landeskontrollverband bietet zudem noch Wasseruntersuchungen für Milchlieferanten, Direktvermarkter, Jausenstationen, Beschneiungsanlagen,… an. Im neuen Qualitätssicherungsprogramm Qplus-Kuh zur Hebung der Lebensmittelqualität und des Tierwohls nehmen mittlerweile 3.500 Betriebe teil. Der Schwerpunkt von Qplus-Kuh liegt auf dem Monitoring und der Unterstützung des Stoffwechsels der Kühe. Als neue Dienstleistung können Betriebe mit Melkrobotern das Gerät zur Milchprobenahme mieten und müssen damit dieses nicht selber kaufen. Aufgrund der Covid-Situation fanden die Herdenmanagement-Seminare Online statt mit 248 Teilnehmern. Seit kurzem gibt es auch die neue App „Klauenprofi“. Der Klauengesundheit wird im Sinne von Tierwohl und –gesundheit ein großes Augenmerk geschenkt. Mit dieser App zur Dokumentation der Klauenpflege inklusive Klauenpflegeprotokoll sind die Aufzeichnungen einfach abrufbar. Ein für Züchter unverzichtbares App stellt die LKV-App dar, wo sämtliche Informationen zum Tierbestand mit Anpaarungsempfehlungen, Bewertungen, Leistungen etc. abrufbar sind. Zur PPP Landeskontrollverband von Winkler

Der stellvertretende Veterinär-Direktor Dr. Paul Ortner gab im abschließenden Bericht einen Überblick zur aktuellen Situation im Tierseuchenbereich. Der letzte Fall zur Blauzungenkrankheit stammt vom Dezember 2016. Seit Dezember 2018 ist man frei. Insgesamt ist die Lage in Europa relativ ruhig. In der BVD-Bekämpfung konnten seit 2015 keine Neuausbrüche verzeichnet werden. 2021 erhält Österreich die Anerkennung der BVD-Freiheit. In der Praxis heißt dies, dass die Tankmilchuntersuchung weiterhin bleibt jedoch die Blutprobenuntersuchung über das Jungtierfenster entfällt. Die Überwachung erfolgt mittels Stichprobenprogramm. In der Bang, Leukose und IBR/IBV-Überwachung wurden 2020 keine Reagenten festgestellt. Erfolgreich wurde die TBC-Bekämpfung umgesetzt, welche teilweise unter großer medialer Beobachtung durchgeführt werden musste. Ein Erfolgsmodell ist das MAP-Programm (Para-TB) des Tiroler Tiergesundheitsdienstes, wo seit 2014 in drei Durchläufen eine MAP-Freiheit erreicht werden konnte. Eine Bedrohung stellt aktuell die Afrikanische Schweinepest dar. Dazu notwendig ist neu die doppelte Umzäunung des Auslaufes. Zur PPP Veterinärangelegenheiten Ortner

Präsident Josef Hechenberger berichtet von den aktuellen Verhandlungen über das Programm der Ländlichen Entwicklung ab 2023, wo in den nächsten Monaten entscheidende Gespräche stattfinden. Große Anstrengungen werden auch unternommen, um die verpflichtende Herkunftskennzeichnung durchzusetzen. Großes Augenmerk muss auch daran gesetzt werden die Auswirkungen der Coronakrise größtmöglich abzufedern. Für ihn hat Corona gezeigt, dass die Landwirtschaft wichtig und unverzichtbar ist für die österreichische Bevölkerung.

Landeshauptmann-Stv. Josef Geisler geht in seinen Grußworten auf die aktuelle Situation ein, welche auch für die Landwirtschaft große Auswirkungen brachte. Mit der Ausmerzprämie und der Beihilfe zur Vollmilchkälbermast wurden Maßnahmen zur Marktentlastung beschlossen. Ziel muss es sein, die heimische Produktion zu stärken, um die Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen. Besonders Corona hat uns gezeigt, wie wichtig die heimische Lebensmittelproduktion in Krisenzeiten ist. In seinen Abschlussworten wies er noch auf die bevorstehende Kammerwahl hin, wo eine hohe Wahlbeteiligung ein wichtiges Zeichen wäre.

In seinen Schlussworten bedankten sich Aufsichtsratsvorsitzende Kaspar Ehammer bei allen Mitarbeitern und Funktionären für ihren Einsatz in der Bewältigung der Krise. Durch die Fusion zur Rinderzucht Tirol eGen konnten die gestellten Aufgaben bestmöglich für die Mitglieder umgesetzt werden. Ein besonderes Dankeschön gilt den höchsten Bauernvertretern des Landes Tirol Landeshauptmann-Stv. Josef Geisler und Lk-Präsident Josef Hechenberger für ihre Unterstützung in der Umsetzung von Maßnahmen zur Unterstützung der bäuerlichen Betriebe (Ausmerzprämie, Alm-Milchkuhprämie, Prämie für Vollmilchmastkälber). Im Schlusssatz wies Ehammer auf die wichtige verpflichtende Herkunftskennzeichnung auf dem Teller hin, die es gilt umzusetzen. Hier wünscht er sich auch mehr Tempo, ist diese  Forderung doch ein wesentlicher Bestandteil in der Zielerreichung der flächendeckenden Bewirtschaftung des Berggebietes.


Rinderzucht Tirol . Brixner Straße 1 . 6020 Innsbruck . Tel: 059292 - 1832 . fax: 059292 - 1839
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