Haltungssysteme

Haltungssysteme

Das Rind ist von seiner evolutionären Entwicklung her gesehen ein Steppen- und Lauftier der kalten Klimazonen und fühlt sich deswegen in diesem Temperaturbereich am wohlsten. Kühe sind keine Einzelgänger, sondern Herdentiere, weswegen auch auf das Sozialgefüge einer Herde Rücksicht genommen werden muss (Rangordnung). Dabei kommt der Haltung eine wesentliche Rolle zu, da sie einen stressfreien Umgang mit den Tieren und eine gesunde Entwicklung der Tiere gewährleistet.

Das Haltungssystem der Mutterkuhhaltung muss den Anforderungen ganz unterschiedlicher Tierhaltungsgruppen entsprechen:

  • Den Kälbern verschiedener Altersgruppen
  • Den Mutterkühen diverser Trächtigkeitsstadien
  • Dem Deckstier

Im Prinzip sind für die Mutterkuhhaltung alle Stallsystem geeignet. Bei Um- und Neubauten sind allerding Laufstallsysteme zu bevorzugen. Ungünstig sind Spaltenbodenelemente, da die Schlitzweite für Kälber zu groß ist und es dadurch zu Verletzungen kommen kann. Die räumlichen Verhältnisse müssen es den Tieren ermöglichen, ihre Individualdistanzen einzuhalten. Es soll zu keiner Sackgassenbildung im Stall kommen.

Die Nutzung des vorhandenen Anbindestalles für Mutterkühe ist wegen der fehlenden Bewegungsmöglichkeit der Kühe als nicht optimal einzustufen. Zumindest muss die Anbindehaltung mit einer Weide bzw. einem Auslauf kombiniert werden. Für eine erste improvisierte Lösung ist der Anbindestall für Kühe und frei laufende Kälber akzeptabel.

  • Das Kalb sollte ständig freien Zugang zum Muttertier haben (Sozialkontakt und Nahrungsaufnahme). Ein Mittellangstand ist daher besser geeignet als ein Kurzstand.
  • Beim Kurzstand ist ein zusätzlicher Kopfriegel am Futterbarn notwendig, um ein Durchschlüpfen der Kälber zu verhindern.
  • Für die Kälber ist ein trockener, zugfreier Liegebereich vorzusehen
  • Kälber dürfen nicht angebunden werden!

Die folgende Tabelle zeigt die Mindestmaße laut österreichischer Nutztierhaltungsverordnung 2005:

Diese Form hat sich in der Praxis wegen des sehr hohen Raum- und Strohbedarfes für größere Herden nicht durchgesetzt.
Diese Lösung bietet sich eher bei kleineren Adaptierung in bestehenden Holzschuppen oder Scheunen in Form eines Außenklimastalles als kostengünstige Variante an.

Der Querschnitt wird in folgender Abbildung gezeigt:

Bei diesem System wird der gesamte Stallraum in einen Liege- und Fressbereich getrennt. Der eingestreute Liegebereich kann dabei – je nach Entmistungshäufigkeit – über ein bis mehrere Stufen gegenüber dem Fressbereich abgesenkt sein.

Eine Trennung mit Übergang zum Fressbereich erhöht die Ruhe im Liegebereich und vermindert den Stroheintrag auf die Fressgangfläche. Diese Variante kann mit einem bestehendem Stallgebäude kombiniert werden (Liegen im Außenklimabereich, Fressen im alten Stall oder umgekehrt). Die Tiere kommen in den Genuss des Außenklimareizes. Dieses Haltungssystem ist ebenso in Kombination mit einem Laufhof möglich.

  • Die Entmistung des planbefestigten Laufganges erfolgt stationär (Klappschieber) oder mobil (Frontlader oder Heckschild), wobei die Tiere mit einer Abtrennung von der Entmistungsfläche ausgesperrt werden.
  • Bei perforierten Laufgängen ist auf eine Streuschwelle zu achten.
  • Für die einwandfreie Funktionalität des Güllekanals ist eine Spüleinrichtung vorzusehen.

Der Querschnitt wird in folgender Abbildung gezeigt:

Eine besondere Form des Zweiraumlaufstalles ist der Tretmiststall. Er findet zunehmend Verbreitung, da er den Tieren die Vorteile eines eingestreuten Stallsystems bietet, andererseits aber Einstreu und Raum gespart werden können.

Er wird in der Regel mit einem Gefälle von 6 bis 10 Prozent (bei Kälbern) und Liegeflächenlängen von 4 – 6 m gebaut. Die Faktoren Tiergewicht, Besatzdichte, Einstreu, Entmistung und Fütterung beeinflussen die Funktionalität des Systems maßgeblich.

In Punkto Anordnung und Gliederung zum bestehenden Stallgebäude gelten dieselben Kriterien wie beim Tiefstreustall.

Der Querschnitt wird in folgender Abbildung gezeigt:

Die Liegeboxen müssen den rassenspezifischen Körpermaßen der Tiere entsprechen, damit ein artgerechtes Aufstehen und Abliegen möglich ist und eine starke Verschmutzung der Liegebox verhindert wird (siehe Funktionsbereiche).

  • Der Kälberbereich lässt sich gut im Kopfbereich der Mutterkühe anordnen.
  • Es ist auf ein ausreichendes Platzangebot in den Übergängen und Tränkebereichen zu achten.
  • Bei diesem Stallsystem ist ein Abkalbebereich unbedingt erforderlich.

Die folgende Tabelle zeigt die Mindestmaße laut österreichischer Nutztierhaltungsverordnung 2005:

Für jedes Tier muss eine überdachte, trockene und eingestreute Liegefläche mit Windschutz in einem Ausmaß zur Verfügung stehen, das allen Tieren ein gleichzeitiges ungestörtes Liegen ermöglicht. Kann der Futterbedarf nicht ausreichend durch Weide gedeckt werden, muss zusätzliches Futter angeboten werden. Auch bei tiefen Temperaturen muss sichergestellt sein, dass Menge und Energiegehalt des vorhandenen Futters ausreichen, um den Energiebedarf der Tiere zu decken. Der Boden im Bereich der ständig benützten Fütterungs- und Tränkebereiche muss befestigt sein. Kranke und verletzte Tiere sind gesondert und geschützt unterzubringen.

Die Eignung des Standortes und der Rinder sind die wesentlichen Faktoren der Freilandhaltung von Rindern. In der Freilandhaltung wird kein Stallgebäude im üblichen Sinn von den Tieren genutzt. Damit lassen sich die Fixkosten sehr gering halten.
Standorteignung: je trockener, desto besser

Die klimatischen Voraussetzungen, wie etwa die Dauer der feucht-kühlen Tage im November und Dezember bzw. im März und April sowie die Niederschlagsmenge im Winter und die Tiefe der Temperaturen spielen eine Rolle. Die feucht-kühle Zeit verursacht wesentlich mehr Probleme als Kälte, weil der Infektionsdruck bei Kälte niedriger ist. Wichtig ist auch der Boden bzw. die Fläche, wo sich die Tiere im Winter aufhalten. Trockene, sandige Böden sind dafür wesentlich besser geeignet als lehmige, schwere Böden.

Ein befestigter Platz ist dort notwendig, wo die Futterraufen und die Tränkebecken angeordnet sind. Diese Stellen werden ansonsten völlig aufgetreten und werden zur Brutstätte von Krankheitserregern. Für schneereiche Gebiete in den Bergen wird die ständige Freilandhaltung nicht geeignet sein, weil die Rinder im Winter möglichst wenig Energie durch Bewegung verlieren sollen. Das Gehen im hohen Schnee verbraucht zu viel Energie, was zu einem erhöhten Futterbedarf führt. Daneben besteht die große Gefahr, dass es zu erhöhten Ausfällen bei Kälbern kommt.
Geeignete Rinderrassen für die Freilandhaltung

Unsere Rinder sind wintertauglich und können sich über das Fell und die Bildung von Kälteschutzschichten sehr gut auf Kälte einstellen. Es können daher alle heimischen Rinderrassen ganzjährig im Freien gehalten werden. Grundsätzlich kann man die Leistung unmittelbar in Verbindung mit der Freilandeignung in Beziehung stellen: Je geringer die Leistung (Fleisch und/oder Milch), desto besser die Freilandeignung und umgekehrt. Es eignen sich daher die Fleischrassen besser als die Milchrassen.

Innerhalb der Fleischrassen sind die Extensivrassen wie Hochlandrinder, Galloway oder Luing am besten für die Freilandhaltung geeignet. Rassen mit höheren Tageszunahmen (wie Limousin, Charolais oder Fleckvieh-Fleisch) brauchen zum Ausgleich mehr und besseres Futter.


Rinderzucht Tirol . Brixner Straße 1 . 6020 Innsbruck . Tel: 059292 - 1832 . fax: 059292 - 1839
Email: rinderzucht@lk-tirol.at