Funktionsbereiche

Funktionsbereiche

Die Haltungsanforderungen im Rahmen des baulichen Umfeldes beinhalten neben den Rechtsnormen aus der österreichischen Nutztierhaltungsverordnung auch die praxisrelevanten Anforderungen aus Sicht der Arbeitswirtschaft und der Baukosten. Die Funktionsbereiche sollen – für einen funktionierenden Stall – in die Planung mit einbezogen werden.

Stallklima

Das Rind als Steppen- und Lauftier kommt mit kälteren Umgebunstemperaturen besser als mit den Temperaturen in der heißen Jahreszeit zurecht. In Verbindung mit der Luftfeuchtigkeit und den anfallenden Schadgasen im Stall ist ein ausreichender Luftwechsel zur Vermeidung von Stressfaktoren und Krankheiten unumgänglich. Der Luftaustasch sollte zugfrei und ausreichend gewährleistet werden (Sommer: 250 m³ / h / GVE, Winter 60 m³ / h / GVE).

Der Aussenklimastall bietet im Zusammenhang mit dem erforderlichen Stallklima mehrere Vorteile:

  •     Ausreichender Luftaustausch ohne mechanische Einrichtungen
  •     Bessere Abtrocknung der eingestreuten Liegeflächen
  •     Bessere natürliche Belichtung
  •     Viele Kombinationsmöglichkeiten mit bestehenden Stallungen (Gebäuden)
  •     Kostengünstigere Bauweise

Zu beachten sind das vorhandene Kleinklima des Standortes, die Hauptwindrichtung, der Gebäudetyp (Gebäudebreite, ein-/mehrhäusig) und das natürliche Lüftungssystem mit Querdurchlüftung im Sommer und diffuser Trauf-/Firstläftung im Winter.

Die folgenden Abbildungen zeigen die optimale Stallausrichtung für Schwerkraft- und Querdurchlüftung bzw. für einen Offenfrontstall:

 

Licht

Ein möglichst heller Stall wirkt sich nachweislich positiv auf das Allgemeinbefinden der Tiere aus und erleichtert außerdem die Übersicht im Stall.

Im Tierbereich muss eine Lichtstärke von 40 Lux gewährleistet sein. Die Lichtöffnungen müssen in einem Ausmaß von min. 3% der Stallbodenfläche vorhanden sein.

Als Ausführung für den Liegebereich bieten sich entweder unstrukturierte Liegeflächen mit Einstreu (ohne Raumeinteilung) oder Liegeboxen an.

  • Unstrukturierte Liegeflächen ermöglichen ein wesentlich freieres Bewegung-, Liege- und Sozailverhalten. Sie erfordern jedoch mehr Fläche, Einstreu und verursachen daher mehr Festmistanfall.
  • Liegeboxen müssen eine artgerechtes Aufstehen (Kopfschwung) und Niederlegen (seitlichen Ablegen) gewährleisten. Abhängig ist dies von der Boxenlänge und –breite, sowie von der Einrichtung der Liegebox (siehe Planungsdaten).
  • Die Liegefläche sollte weich, elastisch und trocken beschaffen sein.
  • Bei Tiefboxen mit Einstreu und Mistmatratze ist auf eine entsprechende Ausführung der Bug- und Streuschwelle zu achten.

Der Liegebereich für Kälber ist im Kälberschlupf, der sich in der Nähe der Muttertiere befinden soll. Bei Liegeboxen soll der Kälberschlupf in Kopfbereich der Muttertiere angeordnet sein.

Futtertisch

Um Rivalität und Futterneid am Fressplatz und somit Stress für die Tiere zu vermeiden, ist ein Tier-/Fressplatzverhältnis von 1:1 anzustreben. Um Platz und damit Baukosten zu sparen, wäre in der Mutterkuhhaltung auch eine Vorratsfütterung mit einem Tier-/Fressplatzverhältnis von 2,5:1 möglich. Trockensteher sollten von der Herde getrennt sein!

Der Fressbereich soll mind. 20 cm über der Standfläche und in einer Ebene mit dem Futtertisch liegen. Die Oberfläche ist glatt, säurebeständig und gegen mechanischen Verschleiß auszuführen (Beschichtung, Fertigteilschalen etc.). Bei der Mutterkuhhaltung ist das Fressgitter so auszuführen, dass die Kälber den Futtertisch nicht betreten können (Futterverschmutzung).

Den Tieren können Einzelfressplätze oder verschiedene Fressgitterformen (z.B: Paralellogramm-, Palisaden- und Selbstfangfressgitter) angeboten werden, die sich hinsichtlich Eigenleistungsfreundlichkeit und Kosten unterscheiden. Die Verwendung des Selbstfangfressgitters ermöglichet die Fixierung bei Gruppen- und Einzeltierhaltung (Ruhigstellung und Behandlung).

Bei Umbauten von bestehenden Ställen kommen für Fütterungeinrichtungen im Auslaufbereich Rundballenraufen (ad libitum) zur Anwendung.Zusätzliche Fütterungseinrichtungen – wie Heuraufen mit Barn (der zur Vermeidung von Futterverlusten beitragen soll) – bieten eine Ergänzung zur ständigen Futtervorlage und verringern überdies evtl. auftretende Stresssituationen.

Die folgenden Abbildungen zeigen die Barnausbildung, eine Heuraufe und ein Schwalbenschwanzfressgitter:

Wasserversorgung

Die Tränkeeinrichtungen sollen dem Trinkverhalten der Tiere entsprechen und müssen leicht zu reinigen sein. Bei Außenklimaställen müssen sie frostsicher ausgeführt werden ( Trog-, Becken- oder Schalentränken ohne Hebelventile).

Die Tränken sollen 80 cm über der Standfläche und nicht in Ecken angebracht werden. Pro 10 Mutterkühen ist eine Tränkeeinrichtung vorzusehen. Bei Laufstallhaltung sollen nach Möglichkeit zwei Tränkeeinrichtungen angeboten werden.

Lauffläche

Die Laufgangabmessungen müssen es den Tieren ermöglichen, ihre Individualdistanzen einzuhalten. Es sollte außerdem zu einer Sackgassenbildung im Stall kommen.

  • Bei Übergängen ist auf ein ausreichendes Platzangebot zu achten.
  • Die Böden müssen rutschsicher sein und sollen eine einfache, gute Entmistung ermöglichen (stationär oder mobil).
  • Es gibt planbefestigte Flächen mit Beton (evtl. mit Rauten-/Rillenmuster) oder mit Gussasphalt.

Spaltenbodenausführungen sind teuer und können überdies für die Tiere problematisch sein (Geruchsbelastung, Klauenbelastung bei Kälbern und beim Deckstier). Bei Ausläufen ist auf eine ausreichende Entwässerung zu achten (Kanal mit Spalten oder Gussrostabdeckung mit ausreichendem Lagerraum).
Rauten- und Rillenmuster

  • Rillenabstand: 10 – 14 cm
  • Rillentiefe und –breite: 1 – 1,5 cm
  •  Zwischen den Rillen flache Oberflächen
  •  Scharfe Kanten abrunden und Grate abschleifen
  •  Glatt gewordene Betonflächen sollten maschinell aufgeraut bzw. strukturiert werden.

Kühe bevorzugen planbefestigte, rutschfeste Böden, da sie sich darauf sicherer bewegen können.

Auslauf

Der Bedarf an Luft, Licht, und Sonne ist für die Tiergesundheit enorm wichtig und kann durch einen vorhandenen Auslaufbereich zusätzlich optimal abgedeckt werden.

Die Auslaufgestaltung orientiert sich an dem vorhandenen Entmistungs- und Fütterungssystem bzw. nach der Bodenbeschaffenheit. Ausläufe sollten befestigt sein, eine funktionierende Entwässerung haben (z.B. schmaler Kanal mit Spalten- oder Gussrostabdeckung) und leicht zu reinigen sein.

Oberflächenwässer müssen in einer dichten Grube gesammelt werden. Der Auslauf sollte ca. 4 – 5 m² je Muttertier betragen. Von Vorteil ist eine Ausrichtung nach Südosten sowie eine Beschattung von ungeführ 50% der Auslauffläche (vorrangig im Sommer).

Abkalbebucht

Bei Erstabkalbungen und schwierigen Muttertieren ermöglicht die Abkalbebucht eine stressfreie Geburt sowie eine bessere Betreuung.

Sie soll als Einzelbucht eine Größe von 12 m² haben (bei Gruppenbuchten ca 10 m² pro Muttertier) und mit flexiblen Abgrenzungseinrichtungen ausgestattet sein. Wichtig ist auch ein uneingeschränkter Sichtkontakt zur Herde.

Kälberschlupf

Die Kälberbucht bietet sowohl Ruhe und Schutz, als auch die Möglichkeit, Futter gesondert vorzulegen. Dabei sollte es sich um eine trockene, zugfreie und eingestreute Liegefläche handeln, die sich in der Nähe der Muttertiere befindet.

Die Kühe dürfen keinen Zugang haben, größere Kälber müssen ohne Verletzungsgehfar den Kälberbereich betreten können. Der Kälberdurchschlupf sollte eine Breite von 0,4 – 0,55 m und eine Höhe von 0,85 – 1,2 m haben. Der Platzbedarf beträgt je nach Alter und Rasse 1,2 – 2 m² / Kalb.

Deckstierbox

Ist der Deckstier nicht in der Herde, ist eine Box mit seperater Fütterungsmöglichkeit und Sichtkontakt zur Herde einzurichten. Deckstiere können angebunden werden, wenn der Stand mit einem Auslauf oder einer Weide kombiniert wird.

Die Bucht sollte mit planbefestigtem Fressplatz und eingestreutem Liegebereich ausgeführt sein (dient zur Erhaltung der Klauengesundheit). Die Buchtengröße liegt zwischen 8 und 10 m². Bei Bio-Betrieben ist eine Auslauffläche von 30 m² einzuplanen.

Die Sicherheit für den Halter steht bei der täglichen Versorgung des Stieres mit Futter, beim Einstreuen und Ausmisten, bei Untersuchungen und Behandlungen, Pflegearbeiten und Vorbereitungen zum Deckvorgang an erster Stelle.

Durchtreibegang

In größeren Beständen ist ein Treibgang mit Behandlungsstand, Waage und Fixierungsmöglichkeit im Kopfbereich notwendig.

Der Behandlungsstand sollte von hinten und beiden Seiten her leicht zugänglich sein. Die Abmessungen sind so auszulegen, dass alle Tiere durchgetrieben werden können.

Kratzbürsten

Kühe haben von Natur aus ein großes Scheuer-, Kratz- und Massagebedürfnis. Dabei wird das Fell gereinigt und gepflegt, worudch dem Befall von Haut- und Fellparasiten vorgebeugt werden kann. Unabhängig vom jeweiligen System sollte sowohl eine vertikale auls auch eine horizontale Pflegemöglichkeit gegeben sein, um den Tieren eine Rücken-, Flanken-, Kopf-, Hals- und Schwanzansatzpflege ermöglichen zu können.

Die Montagehöhe muss auf die durchschnittliche Widerristhöhe der Muttertiere angepasst werden. Kratzbürsten verbessern die selbstständige Fellpflege und das Wohlbefinden der Tiere!


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